Geschrieben von Sabine Henn

Der Turnsport Verein Berlin empfängt den Verein für Leibesübungen aus Tegel. Was auf den ersten Blick nach Standwaage und Stufenbarren klingt, sollte das mit Abstand 2-Minuten-Strafen-reichste Handballspiel der bisherigen Landesliga 2019/20 werden.

Doch von Anfang an...

Samstag, 19:00 Uhr, irgendwo in Berlin-Wedding, 15 Tegeler warten hufescharrend auf der Tribüne der Heimspielstätte von Turnsport 1911.

Da bereits viele der 2. Tegeler Männer sowohl ihr Zuhause als auch die Lieblingskneipe im Berliner Wedding gefunden haben, blieben die Anfahrtswege mehrheitlich kurz. Nicht nur auf die Pünktlichkeit wirkte sich das äußerst positiv aus, auch die gesparten Schritte und die damit geschonte Ausdauer sollten wohlmöglich spielentscheidend werden. Es folgte ein intensives Warm-up, bei dem diesmal drei (3!) Torhüter warmgeworfen werden durften. Da in vergangenen Saisons die Personaldichte innerhalb des Torraums Hertha-Dauerkarten-bedingt mager ausfiel, ist diese Entwicklung besonders positiv hervorzuheben. Während auf unserer Hallenhälfte also geschäftiges Warmlaufen, -passen und -werfen mit vollem Kader zu sehen war, gingen bei den Gastgebern lediglich eine Hand voll Spieler auf und ab, die nur zögerlich ergänzt wurden durch Spieler aus Turnsports 2. Männer, welche bereits das Vorspiel bestritten hatten. Durch diese augenscheinliche konditionelle Überlegenheit auf Tegeler Seite verbreitete sich eine kaum wahrnehmbare, aber trügerische Leichtherzigkeit unter den Spielern. Doch nichts entgeht Tegel-Trainer Tom “Not on my watch!“ Busch, und so wurden wir in der Kabinenansprache mit mahnenden Worten aus unseren Tagträumen von leichtverdienten Kontertoren und BeloFuBall gerissen. Wie bereits in der letzten Saison gegen Turnsport würde auch dieses Spiel nicht ohne Kampf und Wille zu gewinnen sein.

20:00 Uhr, Anpfiff!

Aus der Kabine, aus dem Sinn – wo sich eben noch auf frühes Raustreten und Anpacken in der Deckung geeinigt wurde, biss man sich nun wieder in alter Manier am Kreisspieler fest und gewährte den teilweise physisch überlegenen Rückraumspielern von Turnsport einfache Tore. Zusätzlich mangelte es im Angriff an Präzision beim Abschluss – als würde man bei Tegel sonst mit Sekundenkleber trainieren, schlugen unsere Würfe verlässlich über dem Tor ein, eine Fähigkeit die sonst nur einem der Tegeler Spieler zugeschrieben wird. Sechs Minuten lang bleiben wir dran, doch dann fordert Tegels katastrophale Wurfausbeute ihren Tribut und während um 20:15 im ZDF "Willkommen bei Carmen Nebel” beginnt, schaut Tegel in der Sporthalle "Mövensee-Grundschule" mit vier Toren Rückstand leider nur sprichwörtlich in die Röhre.

Mund abwischen, weitermachen. Es folgt eine 2-Minuten-Strafe für Turnsport in der 17. Minute und zwei Tore von Rechtshänder, Rechtsaußen und Neuzugang Fabian Meyer. Was dann folgt, war kein schöner Handball, aber irgendwie schafft es Tegels Zweite in Schlagdistanz zu bleiben und in der 30. Minute ermöglichen eine endlich robuste Abwehr und zwei Treffer von Rechts- und Linksaußen einen Pausenrückstand von “nur” 2 Toren.

Zusammenfassung Halbzeitansprache: So wie in Hälfte 1, nur umgekehrt.

Gesagt, getan. Oder zumindest probiert. Mit deutlich mehr Elan packt Tegel nun in der Abwehr an und der erhoffte Konditionsvorteil macht sich endlich durch einfache Kontertore bemerkbar, die regelmäßig von einem Traumpass der Torhüter ausgehen. Spielzeit: 45:29, Max Lother trifft zum 25:26 und VfL Tegel II geht an diesem Abend zum ersten Mal in Führung. Die letzten 15 Minuten eines ohnehin schon 2-Minuten-reichen Spiels werden noch einmal etwas rauer. Das Spiel findet nun vermehrt am Sieben-Meter-Punkt statt, aber die Tegeler bleiben cool und lassen sich die spät erlangte Führung nicht mehr nehmen. Endstand: 31:34, zweiter Saisonsieg für VfL Tegel II. Am Ende gehen die Mannschaften trotz insgesamt 16 2-Minuten-Strafen freundlich auseinander. Danke an alle angereisten Zuschauer und die Mannschaft von Turnsport.

Die Mehrheit der Tegeler Männer folgt anschließend noch dem Ruf ihres Trikotsponsors und stößt in der Kneipe Zum Busbahnhof auf die hart erkämpften Punkte an.

 

gez. él Goldbach